Kapitalertragsteuer in Österreich

Die Kapitalertragsteuer, kurz KESt genannt, ist eine Erhebungsform der Einkommensteuer und auch der Körperschaftsteuer. Bekannt ist die Kapitalertragsteuer  für alle Österreicher die ihr Geld ansparen, denn von den Zinserlösen müssen wir die Kapitalertragsteuer bezahlen. Die Kapitalertragsteuer ist eine Quellensteuer die von einer Bank, einer Kapitalgesellschaft oder einer Versicherung erhoben wird und an das Finanzamt abgeführt wird. In Österreich beträgt die KESt auf Bankzinsen 25 % vzw. seit 1.1.2016 27,5 % auf z. B. Dividenden. Die KESt ist eine Abgeletungsteuer und damit wird keine Einkommensteuer mehr fällig für die erwirtschafteten Zinsen.

Wann muss die KESt bezahlt werden?

Keine Bange, wir als Sparer sind nicht diejenigen die die KESt abführen müssen, sofern wir bei einem inländischen Institut die Sparzinsen erhalten. Anders gelagert ist dies bei ausländischen Sparzinsen, die brutto für netto gut geschrieben werden.  Bei Zinserträgen aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten und sonstigen Forderungen gegenüber Kreditinstituten im Sinne des § 27a Abs 1 Z 1 EStG 1988 muss die/der zum Abzug Verpflichtete am 15. Dezember jeden Jahres eine Vorauszahlung entrichten. Im darauf folgenden Jahr muss die Bank dann den Rest der Kapitalertragsteuer.

Wer muss die KESt bezahlen?

Jeder der in Österreich anspart und Sparzinsen lukriert muss die Kapitalertragsteuer bezahlen. Ausnahmen gibt es für Menschen die über ein geringes Erwerbseinkommen verfügen, diese können die KESt zurückholen.

Kapitalertragsteuer Freibetrag

Anders als in Deutschland gibt es in Österreich keinen Freibetrag bei der Kapitalertragsteuer. Alles muss verzinst werden.

KESt zurückholen

Ja, nicht jeder muss die KESt zahlen, bzw. jeder muss sie abführen aber manche können sich die KESt über die Arbeitnehmerveranlagung bzw. über die Einkommensteuererklärung auch wieder zurückholen. Wichtig ist, dass nur jene sich die KESt zurückholen können, welche über hohe Zinseinkünfte verfügen können und daher Kapitalertragsteuer zahlen haben müssen und gleichzeitig kaum ein Erwerbseinkommen haben. Die steuerpflichtigen Gesamteinkünfte im Jahr (Brutto-Einkommen minus Sozial­versicherung und Absetzbeträge) plus alle Kapitaleinkünfte aus Zinse ­dürfen nicht mehr als 11.000 Euro pro Jahr betragen. Da in den letzten Jahren die Zinsen so niedrig sind und daher auch kaum KESt zu bezahlen ist, lohnt es sich heutzutage kaum mehr hier den Aufwand zu betreiben. Die Zeitschrift Konsument hat dazu im Jahr 2013 einen Artikel veröffentlicht, welcher zum Teil kostenpflichtig ist, wo genau erklärt ist, wie die KESt zurückgeholt werden kann.

Entwicklung der KESt in Österreich

Mit 1.1.1993 wurde die Kapitalertragsteuer in ihrer heutigen Form eingeführt. Mit 1.1.2016 wurde die Kapitalertragsteuer leicht verändert, denn nur noch auf Zinserträge auf Konten und Sparbüchern beträgt

Ausländische Sparzinsen – so versteuert man diese richtig!

Auf eigene Gefahr & ohne Gewähr: Die Versteuerung der ausländischen Sparzinsen

Die nachfolgenden Zeilen zur korrekten Versteuerung von Sparzinsen aus dem Ausland sind nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, jedoch sich alle Angaben ohne Gewähr. Die Anwendung erfolgt natürlich auf eigene Gefahr und es empfiehlt sich stets einen Steuerberater hinzuzuziehen, und diesem um seine Fachmeinung zu fragen bzw. seine Dienste in Anspruch zu nehmen.

Legt man als Sparer sein Geld im Ausland an, so müssen auch dafür Steuern bezahlt werden. Meist ist es so, dass ein direkter Abzug der KESt für die ausländische Bank nicht möglich ist, da sie in Österreich keine inländische Stelle oder Niederlassung haben, daher ist der Sparer selbst dafür verantwortlich, dass die Steuer ordnungsgemäß abgeführt wird. Nachdem es in Österreich immer mehr Banken aus dem Ausland gibt und es auch genügend Österreicher gibt, die dort ansparen, betrift das Thema richtige Versteuerung von ausländischen Sparzinsen zahlreiche Österreicher!

Welche Banken sind denn im Moment unter anderem betroffen? Diese in Österreich bekannten Banken haben ihren Sitz im Ausland und wer bei einer dieser Banken sein Erspartes liegen hat und daraus Zinsen erhält, der muss dafür Kapitalertragsteuer bezahlen.

  • MoneYou,
  • Atlantico Bank
  • Alior Bank,
  • FirstSave Euro
  • Amsterdam Trade Bank,
  • DKB,
  • BIGBANK,
  • Yapi Kredi
  • J&T Banka
  • Advanzia Bank oder
  • Crédit Agricole
  • Banca Sistema

Wie also versteuern Sie Ihre Zinserträge aus dem Ausland richtig?

Zinsaufstellungen und Steuerbescheinigungen einholen

In den ersten Monaten des neuen Jahres sammeln Sie die Aufstellungen der ausländischen Banken von denen Sie Zinseinkünfte im vergangengen Jahr erhalten haben. Je nach Bank ist es so, dass Sie diese Steuerbescheinigung (oder auch Zinsaufstellung genannt) von der Bank postalisch zugesendet bekommen oder sich die Aufstellung im Online Banking herunterladen können (sehen Sie im Online Banking Ihres Anbieters im Bereich der persönlichen Daten nach, dort müsste sich die Zinsaufstellung finden, alternativ fragen Sie am besten beim Anbieter selbst nach, wie Sie zu Ihrer Aufstellung kommen und bis wann mit dieser zu rechnen ist). Die Aufstellungen werden so oder ähnlich aussehen:

Sie erhalten in den ersten Monaten (meist ab Februar) des darauf folgenden Jahres von den ausländischen Banken eine Erträgnisaufstellung auf der angeführt ist, wie hoch die Zinszahlungen denn waren. Das ist die Basis für Ihre Angaben in der Einkommensteuererklärung

Listen Sie all Ihre Zinserträge auf und bilden Sie eine Summe. Das war mal die Pflicht. Nun gehts an die Kür, denn Sie müssen nun Ihre Zinserträge versteuern. Nun gibt es zwei Möglichkeiten wie es weitergeht und dies hängt davon ab, ob Sie bereits eine Einkommensteuererklärung dem Finanzamt abgeben oder ob Sie bisher nur eine Arbeitnehmerveranlagung durchführen. Spielen wir zuerst die Arbeitnehmerveranlagung durch.

Bisher Arbeitnehmerveranlagung: Wie versteuere ich meine Auslandszinsen?

Es dreht sich alles um das Finanzamtsformular E1kV (Beilage zur Einkommensteuererklärung E1 für Einkünfte aus Kapitalvermögen für Jahr XY). Dieses Formular kann aber erst dann ausgefüllt werden, wenn man dem Finanzamt mitgeteilt hat, dass man eine Einkommensteuererklärung ausfüllen möchte bzw. muss. Wurde bisher eine Arbeitnehmerveranlagung ausgefüllt so muss ein Erklärungswechsel durchgeführt werden. Der Wechsel von Arbeitnehmerveranlagung auf Einkommensteuererklärung funktioniert so:

  • In FinanzOnline anmelden
  • Menü Eingaben
  • Dann Anträge
  • Dann Erklärungswechsel
  • Dort den Punkt „Wechsel zur Einkommensteuererklärung“ auswählen und fortfahren

Danach erhalten Sie eine Bestätigung, dass der Wechsel der Erklärung durchgeführt wurde und nun können Sie auch das E1kV Formular für Ihre Zinseinkünfte aus dem Ausland

Einkommensteuererklärung: Mit E1kV die Zinsen aus dem Ausland versteuern

Sie haben die Möglichkeit eine Einkommensteuererklärung abzugeben, dann geht es nun darum, das richtige Formular dafür zu finden, damit Sie Ihre Zinserträge aus dem Ausland einsetzen können zur korrekten Versteuerung. Das Formular E1kV mit dem Namen „Beilage zur Einkommensteuererklärung E1 für Einkünfte aus Kapitalvermögen“ muss auf FinanzOnline ausgewählt werden und dort sucht man das Feld 861 „Ausländische Kapitaleinkünfte“.

Das Formular E1kV können Sie sich hier ansehen bzw. einen Screenshot davon inklusive dem ominösen Feld 861 sehen Sie darunter:

Hier der Screenshot des Formulars, welches Sie am besten online auf FinanzOnline ausfüllen. Es ist die Beilage zu Ihrer Steuererklärung.

Im Formular E1kV müssen im Feld 861 die ausländischen Kapitaleinkünfte eingegeben werden. Die Bruttoerträge, denn das Finanzamt rechnet es sich selbst aus, wie hoch davon die 25 % KESt ist.

Das war es auch schon wieder und Sie haben Ihre Pflichten als Staatsbürger erfüllt. Beim ersten Mal sieht es ein wenig aufwendig und kompliziert aus, aber ab dem zweiten Mal sehen Sie bereits, dass Sie hier über Erfahrungen verfügen und Ihnen der Steuerkram leichter fällt. Ob Sie sich die Arbeit antun möchten, müssen Sie für sich selbst entscheiden. Dem Aufwand sollte ein dementsprechender Mehr-Ertrag bei den Zinsen gegenüberstehen, damit sich auch Ihr Aufwand rechnet.

Freigrenzen für Versteuerung

Ab wann muss ich denn meine Auslandszinsen versteuern? Hier gibt es eine gute Nachricht, denn Kleinsterträge aus Sparzinsen sind nicht zu versteuern. Es gibt nämlich eine Freigrenze für geringfügige Einkünfte aus Kapitalvermögen und diese liegt bei 22 Euro pro Kalenderjahr. Erhalten Sie von allen ausländischen Sparzinsen nicht mehr als 22 Euro an Jahreszinsen, so haben Sie keine Veranlagungspflicht. Das Bundesministerium für Finanzen schreibt dazu:

„Einkünfte aus Kapitalvermögen sind nur dann einzutragen, wenn sie insgesamt 22 Euro (Freigrenze) übersteigen. Diese Freigrenze gilt auch für endbesteuerungsfähige inländische Kapitalerträge und ausländische Kapitalerträge, die mit 25% besteuert werden können.“

Quelle: Bmf.gv.at

Muss ich es versteuern? Das Finanzamt weiß doch nichts! Oder?

Oh doch, dass Finanzamt weiß von den Sparkonten im Ausland. Das Zauberkürzel ist hier CRS (Common Reporting Standards) denn hier verpflichten sich viele Staaten, dass die jeweiligen Banken ihre Kunden an die Finanzbehörden des eigenen Nationalstaates melden. Diese Steuerbehörden melden die Daten danach an die österreichischen Finanzbehörden und so weiß auch Ihr Finanzamt bestens über Sie bescheid! Die Meldungen der Banken aus den Niederlanden, Frankreich, Portugal, Italien, Deutschland usw. kommen beim österreichischen Finanzamt an und das Finanzamt weiß von Ihren Veranlagungen und wenn Sie nichts melden, wird sich das Finanzamt bei Ihnen melden und das ist schon mal ein schlechter Start. Die ausländische Bank übermittelt folgende Informationen an das nationale Finanzamt und somit wissen die über alles bescheid:

  • Name
  • Anschrift
  • Ansässigkeitsstaat
  • Steueridentifikationsnummer
  • Geburtsdatum und -ort
  • Kontonummer
  • Kontostand zum Ende des Berichtsjahre
  • alle Arten von Kapitalerträgen (Zinsen, Dividenden, Einkünfte aus bestimmten Versicherungsverträgen)

Die gemeldeten Daten sind deutlich umfangreicher als es die Daten im Kontenregister sind, welche von heimischen Banken ans Finanzamt gemeldet werden. Sie sehen, dass Sie keine Geheimnisse vor dem Finanzamt haben sollten, wenn Sie im Ausland anlegen. Das Finanzamt weiß schon bescheid über ihre Ersparnisse und Zinserträge.

Fristen zur Versteuerung der ausländischen Sparzinsen

Achten Sie darauf, dass Sie sich nicht endlos Zeit lassen, denn Sie müssen Ihre Einkommensteuererklärung rechtzeitig abgeben. Das Finanzamt gibt Ihnen eine Frist für die elektronische Einreichung der Einkommensteuererklärung vor. Diese Frist endet mit dem 30. Juni des Folgejahres. Übrigens, gut zu wissen: Einkünfte aus Kapitalerträgen führen zu keinen Vorauszahlungen der Einkommenssteuer.

Zusammenfassung

Die Kapitalertragsteuer (KESt) ist in Österreich 25 % auf Zinserträge von Sparkonten, Girokonten oder Sparbüchern. Die KESt wird von der Bank im Namen des Sparers an das Finanzamt abgeführt. Spart man im Ausland an, so ist man selbst dazu verpflichtet die Sparzinsen beim heimischen Finanzamt anzugeben und die Kapitalertragsteuer nachträglich zu bezahlen, die ausländischen Banken führen die KESt in der Regel nicht ab und die erhaltenen Zinserträge aus dem Ausland sind ohne jeglichem Abzug. Nur unter seltenen Umständen kann man sich die Kapitalertragsteuer auch wieder zurückholen, hier dürfen die Einkünfte aus Erwerbseinkommen nicht 11.000 Euro übersteigen. Ansonsten können wir Österreicher uns nicht von der KESt befreien lassen und müssen diese bezahlen – apropos bezahlen, vergessen Sie nicht Ihre ausländischen Zinseinkünfte zu versteuern, denn mit den Common Reporting Standards werden ihre ausländischen Sparkonten und Zinseinkünfte an das heimische Finanzamt gemeldet.

2 thoughts on “Kapitalertragsteuer in Österreich

  1. Enrico Gottinger

    Danke für Ihre Informationen.
    Folgendes ist mir noch unklar:
    Die Atlantico Europa (PT) verzinst jährlich und entrichtet Quellensteuer von 10% (mit Ansässigkeitsbestätigung).
    Muss ich jährlich eine Einkommensteuererklärung der jährlichen Zinserträge machen oder genügt eine bei Fälligkeit mit dem gesamten Zinsertrag?
    Die J&T Banka (CZ) verzinst ab 2.1.2018 nur bei Fälligkeit und erstellt einen Quellensteuerbescheid (0% mit AB). Hier ist die Einkommensteuererklärung einmal bei Fälligkeit zu machen.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Enrico Gottinger

  2. admin Post author

    Ich bin nicht das Finanzamt, daher ist meine Aussage stets mit einer gewissen Vorsicht zu genießen 😉 Übrigens kann man die netten Damen und Herren wirklich gut befragen, die sind in der Regel stets höflich und geben fundierte Aussagen, was man wie zu tun hat.

    Hier meine Gedanken:
    Wenn ich es richtig verstanden habe, werden hier die Zinsen jährlich ausbezahlt. Ja, dann müssen wir als Steuerpflichtige auch jährlich die Steuern abführen.

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